russisches Bauernhaus, Ural, Angst

Angst vor dem Zahnarztbesuch – was kann man tun?

Angst vor dem Zahnarztbesuch

Das Gefühl für Angst ist uns Menschen angeboren. Es soll uns vor Gefahren warnen, in dem es uns alarmiert und bereit zum Kampf oder zur Flucht macht. In Bedrohungssituationen ist es daher durchaus sinnvoll – Angst zu empfinden. Empfinden wir jedoch auch in anderen Situationen – ohne eine Bedrohung oder Lebensgefahr – so starke Angst, dass es uns lähmt und wir keinen klaren Gedanken mehr fassen können, dann wird dieses Gefühl schädlich.
Angst kann ein sehr unangenehmes Gefühl sein. Deshalb versuchen viele Menschen, es zu vermeiden, indem sie den Situationen ausweichen, in denen sie Angst empfinden oder sie versuchen sich mit den verschiedensten Mitteln und Methoden abzulenken, um damit die unangenehme Situation erträglich zu machen.
Jedoch ist allen diesen Vorgehensweisen gemeinsam, dass sie nicht an den Ursachen der Angst ansetzen und die Einschätzung, dass etwas „Schlimmes“ auf uns zukommen könnte, bleibt bestehen.
Wenn man jedoch auf eine Situation oder ein Objekt mit unangemessen starker Angst reagiert, kann sich eine Angststörung entwickeln. Zu ihren Erscheinungsformen gehören dann Panikstörungen, Phobien und generalisierte Angststörungen.

Im Laufe seines Lebens erlernt der Mensch auch Ängste durch eigene Erfahrung, Beobachtung und Unterweisung. Angst unterliegt auch vielen individuellen Einflüssen, die letztendlich entscheiden, ob ein Mensch eher selbstbewusst oder ängstlich durch das Leben geht.
Jeder Mensch bewältigt individuell Ängste in seiner Psyche. So ordnet sich auch jede neu hinzukommende Angst in ein bereits vorhandenes, individuelles Muster der Angstbewältigung ein. Für die Überwindung von Ängsten hat daher die Psyche eine entscheidende Bedeutung.
Im Folgenden zwei Techniken aus der Psychologie, wie man die Angst vor dem Zahnarztbesuch selbst überwinden kann.

Erste Technik

Die bevorstehende Behandlung wird in drei Abschnitte aufgeteilt:

Erster Abschnitt – dieser Abschnitt ist vor der Behandlung, wenn Sie noch nicht die erwarteten qualvollen Emotionen im Verlaufe einer Zahnarztbehandlung erlebt haben.
Zweiter Abschnitt – er fängt mit dem Anfang der Behandlung an, wenn Sie in den Sessel beim Arzt gesetzt werden und geht zu Ende, wenn Sie wieder aus dem Sessel aufstehen.
Dritter Abschnitt – er beginnt mit dem Aufstehen aus dem Sessel, wenn bereits wieder alles gut ist und die Zähne behandelt sind.

Wir beginnen mit dem zweiten Abschnitt, der die Angst herbeiruft, und setzen mit dem dritten Abschnitt fort.

Stellen Sie sich vor, dass Sie zu einer großen Kinovorführung gekommen sind. Der Besuch des Kinos ist eine Ehre für Sie und es trägt „ihren Namen“. Sie gehen in den Vorsaal und reden freundlich mit dem Platzanweiser und Kassierer. Vom Platzanweiser und Kassierer werden Sie freundlich empfangen und danach gehen Sie in den Kinosaal. Sie sehen, dass auf der Leinwand das große Dia mit der Werbung steht. Sie setzen sich in die erste Reihe auf den für Sie bequemsten Platz. Nach dem Sie sitzen, gehen Sie gedanklich aus Ihrem Körper heraus und setzen sich auf einen bequemen Platz in der mittleren Reihe. Ihr Doppelgänger sitzt jetzt in der ersten Reihe. Dann lassen Sie nochmals für sich den Doppelgänger sitzen und gehen zu einem bequemen Platz in der letzten Reihe. Und wieder lassen Sie den Doppelgänger sitzen und gehen in den Raum des Filmvorführers. Kaum ist Ihnen dieser gedankliche Sprung gelungen, sehen Sie in den Raum und es startet vor Ihrem inneren Auge der Schwarz-Weißfilm über Sie und die Behandlung Ihrer Zähne.
Der Film fängt mit jener Minute an, wie Sie sich in den Sessel beim Zahnarzt setzen, und geht dann zu Ende, wenn Sie wieder aus dem Sessel aufstehen.
Sie sehen diesen Film aus dem Raum des Filmvorführers, gleichsam als ein Zuschauer durch das sehr winzige Fensterchen des Filmvorführerraumes mit dem dicken Glas seines Fensterchens. Dann, wenn der Film endet, werden auch alle Aufregungen hinten bleiben und Sie halten den Film an.

Und jetzt das Interessanteste – Sie sollten sich vorstellen, wie Sie aus dem Raum des Filmvorführers augenblicklich herausspringen und sehr schnell in die letzten Szenen des Filmes über Sie „hineintreten“. Sie werden in den letzten Szenen des Filmes bleiben. Dann machen Sie den Film gedanklich farbig und sehen sich den Film für etwa 2 Sekunden rückwärts an.
Dann kehren Sie in den Kinosaal zurück, auf Ihren Platz in der letzten Reihe. Sie treten vollständig in den Körper Ihres Doppelgängers ein, denn Sie an dieser Stelle gelassen hatten. Und wieder beginnen Sie, neugierig auf die Leinwand sehend, den Schwarz-Weißfilm über Ihre Behandlung anzusehen. Kaum geht der Film zu Ende, springen Sie in die letzten Szenen sofort hinein. Sie machen den Film farbig und drehen ihn für 2 Sekunden rückwärts zu dem Punkt, als Sie sich in den Sessel setzen sollten, um die Behandlung zu beginnen.

Dann kehren Sie in den Doppelgänger in der Mitte des Saals zurück und von neuem wiederholen Sie die Durchsicht des Schwarz-Weißfilmes. Wieder springen Sie in die letzten Szenen hinein, machen den Film für 2 Sekunden farbig und drehen ihn rückwärts.
Jetzt kehren Sie in den eigenen Körper zurück, den Sie in der ersten Reihe belassen hatten und alles wiederholt sich mit der Durchsicht des Schwarz-Weißfilmes. Sie machen den Film wieder farbig und sehen ihn für etwa 2 Sekunden rückwärts.

Im Verlaufe einiger Tage sollten Sie diese gedankliche Übung 3 bis 4-mal täglich ausführen, besonders vor dem Schlaf. Danach werden Sie feststellen, dass Ihre Angst absolut verschwunden und das Gefühl des Interesses entstanden ist – was Sie im Sessel des Zahnarztes in der Wirklichkeit erfahren werden.

Zweite Technik

Sie setzen sich bequem in einen Sessel und stellen sich vor, dass sich links von Ihnen ein großes weißes Blatt Papier befindet. Auf dem Blatt ordnen Sie gedanklich beliebige Wörter an, das sich bei Ihnen mit der Behandlung der Zähne verbinden. Es können die Wörter „Angst“, „Schwäche“, „Schmerz“ usw. sein. Sie können beliebige Wörter auswählen, nicht nur die genannten Beispiele. Die Wörter schreiben Sie in einer beliebigen Schrift und Farbe, in einem beliebigen Umfang und Größe, und an einen beliebigen Ort, auch auf das Gesicht. Sie können auf dem Blatt auch jedes Bild ergänzen, was Ihrer Angst entspricht. Beispielsweise den Zahnarzt mit den schrecklichen Werkzeugen in den Händen, das Weinen im Sessel und das Hineinsinken, so wurden Sie im Sessel zusammengepresst.
Danach versuchen Sie alle Gefühle und Empfindungen nachzuvollziehen, die Sie während einer Behandlung erfahren. Sie fühlen sich maximal wach, hören was während der Behandlung ringsumher gesprochen wird, fühlen das innere Zittern und den Widerstand gegenüber dem Prozess der Behandlung.
Kaum haben diese Empfindungen das Maximum erreicht, pressen Sie fest die linke Hand zur Faust zusammen und halten sie für 30 Sekunden. In dieser Zeit sehen Sie auf das „furchtbare Blatt“ und schieben es gedanklich auf Ihre linke Seite, dann öffnen Sie die Faust und atmen tief ein.

Danach stellen Sie sich vor, dass sich rechts von Ihnen wieder ein großes weißes Blatt Papier befindet. Darauf schreiben Sie jetzt mit beliebiger Schrift, Farbe und Größe die Wörter, die den von Ihnen erwünschten Empfindungen während der Prozedur der Behandlung entsprechen würden. Beispielsweise „Ruhe“, „Entspannung“, „Freude“ usw. Sie sollten dieses Blatt auch mit Bildern Ihrer Überzeugung vom Wohlergehen während der Behandlung schmücken.
Danach bemühen Sie sich maximal die Vorstellung zu entwickeln, sich ruhig und zufrieden während der Behandlung zu fühlen.
Kaum erreichen Sie das Maximum dieser Vorstellung, pressen Sie fest die rechte Hand zur Faust zusammen und halten Sie für 30 Sekunden.
Dann verschieben Sie das Blatt mit dem „positiven“ Inhalt nach rechts.

In der gleichen Weise wiederholen Sie anschließend nochmals den gesamten Übungskomplex von Anfang an. Dabei können Sie auf den jeweiligen Blättern auch noch Ergänzungen der Wörter, Empfindungen oder Bilder vornehmen.

Und jetzt kommt das Interessanteste. Im dritten Teil der Übung stellen Sie sich das „negative Blatt“ vor, welches Sie nach links verschoben hatten und pressen dabei die RECHTE Hand zur Faust zusammen. Dabei sehen Sie aufmerksam im Verlauf von nicht weniger als 7 Minuten auf dieses Blatt. Dabei werden Sie viel Interessantes sehen, was auf diesem Blatt geschehen wird. Achten Sie sehr aufmerksam darauf, wie sich die Schrift auf dem Blatt benehmen wird, was die Buchstaben machen? Wie sich die Farbe der Schrift und auch anderes benimmt? Sie werden selbst bestimmen können, wann Sie alles beenden müssen. Nur bleiben Sie in diesem Zustand nicht weniger als 7 Minuten, die rechte Faust fest zusammengepresst. Wenn Sie das Gefühl haben, dass jetzt alles gut ist, dann machen Sie die rechte Faust auf.

Vor dem Weg zum Arzt, im Verlaufe einiger Tage, sollten Sie diese Übungen 3 bis 4-mal täglich ausführen, besonders vor dem Schlaf. Wenn Sie dann zur Behandlung beim Zahnarzt kommen, führen Sie diese Übung aus. Sobald Sie im Sessel des Zahnarztes sitzen, pressen Sie sofort die rechte Faust zusammen. Sie werden sehen, dass Ihre Angst verschwindet und die Behandlung in Ruhe endet.

Hinweis: Die zweite Technik ist auch geeignet für die Überwindung anderer Ängste, wie Flugangst, Raumangst usw.